Youtube - Was macht mein Kind da eigentlich?

Youtube ist bei Jugendlichen beliebt, man kann Clips schauen und kommentieren, Stars anhimmeln, sich selbst darstellen, doch gibt es auch Probleme mit Jugendschutz und unreflektierter Selbstinszenierung, Cybermobbing und Kommerzialisierung. Wir zeigen, welche Chancen, Risiken und Trends es gibt und wie Eltern ihr Kind dabei begleiten können.

Das erste Video "Me at the Zoo" ist wenig spektakulär: Es zeigt den Co-Gründer von Youtube vor zwei Elefanten, der erklärt, dass das Besondere an diesen Tieren die langen Rüssel sind. Nach 18 Sekunden ist der Clip vorbei. Und doch wurde er bereits über 21 Millionen mal angeklickt. Denn er ist der Beginn einer medialen Erfolgsgeschichte und des größten Videoportals der Welt: Youtube. Am 15.02.2005 wird die Seite Youtube.com registriert, am 23.04.2005 besagter Clip hochgeladen. Heute kommen in jeder Minute Videomaterial von 300 Stunden Länge dazu, der Videodienst hat weltweit über 1 Milliarde Nutzer.

Faszination Youtube

Youtube ist heute fester Bestandteil im Alltag der meisten Jugendlichen. Wie die JIM-Studie 2014 zeigt, ist die Plattform bei deutschen Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren das beliebste Online-Angebote überhaupt: 30 Prozent nutzen die Seite häufig, erst auf Platz zwei folgt Facebook.

Nach dem Motto "Broadcast yourself" (frei übersetzt: "sende dich selbst") sowie dem Namen YouTube selbst (frei übersetzt: "du sendest") sind viele Nutzer nicht nur Konsumenten von Clips, indem sie nach Stichworten suchen oder Kanäle abonnieren, sondern auch Produzenten, indem sie selbst Clips hochladen und eigene Kanäle betreiben. Sie sind die neuen Stars, wie astronomische Klickzahlen, hohe Profite durch Beteiligungen an Werbeeinnahmen und das große Fanpublikum bei den Videodays zeigen.

Zu den beliebtesten Youtube-Kanälen in Deutschland zählen solche von Menschen um die 20, wie Ratgeber Sami Slimani, die singenden Zwillinge DieLochis, Videospieler Simon Unge oder die Modebloggerin Daaruum. Das zeigt auch, welche Form von Clips besonders beliebt sind: Tutorials von Technik- oder Beauty-Experten, Comdey und Let's Plays. Dabei sind Youtuber oft Vorbilder, bester Kumpel, großer Bruder und Ersatzelternteil in einem. Jugendliche fühlen sich ihnen näher als Popstars oder Fernsehschönheiten, da sie direkt zu ihren Fans sprechen und mit ihnen auf Youtube und anderen sozialen Netzwerken kommunizieren und auch bei Kummer beraten.

Die YouTube-Kanäle in Deutschland mit über 500 Abonnenten zählten im August 2016 zusammen rund 113,2 Mrd. kumulierte Abrufe. Ein Jahr zuvor waren es noch 63,8 Mrd. – ein Plus von 77 Prozent innerhalb nur eines Jahres. Während die Zahl der deutschen YouTube-Kanäle seit 2015 um 33 Prozent gestiegen ist, geht die Zahl der originären Web-TV-Sender zurück. Seit 2015 wurden 17 Prozent der Angebote eingestellt bzw. wechselten mit ihren Inhalten zu YouTube. Der anhaltende Boom um YouTube-Stars wie Bibi oder Konstantin Hert (freekickerz) macht eine Video-Präsenz außerhalb der Plattformen und Netzwerke offenbar für viele Anbieter nicht mehr attraktiv – vor allem für diejenigen, die jugendliche Zielgruppen erreichen wollen.

Die erfolgreichsten deutschen YouTuber

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Unreflektierte Selbstinszenierung

Doch solche Vorbilder können auch viele Kinder und Jugendliche zu einer unreflektierten Selbstinszenierung animieren. Besonders kritisch sind dabei Live-Streams zu sehen, also wenn sich Kinder und Jugendliche wie etwa über die App YouNow in Echtzeit präsentieren. Wichtig ist daher immer zu überlegen, ob dieses Video in die Welt kann, bevor man es hochlädt. Auch sind die Persönlichkeitsrechte anderer zu berücksichtigen, falls diese auch auf dem Video zu sehen sind.

Jugendschutzproblematik

Natürlich sind nicht alle Videos geeignet für Kinder und Jugendliche. YouTube ist ohnehin erst für Jugendliche ab 13 Jahren erlaubt, doch ist keine Altersprüfung erforderlich. Deshalb sollten Eltern von jüngeren Kindern altersgerechte Portale wie juki nutzen sowie bei älteren Kindern und Jugendlichen auf Jugendschutzeinstellungen bei Videoportalen achten. Youtube bietet zwar über Google einen "sicheren Modus" an, damit Kindern nur altersgerechte Inhalte angezeigt werden. Damit wird auch automatisch Google SafeSearch eingestellt, die zu unpassenden Sucheingaben keine Ergebnisse anzeigt. Auch die YouTube-App bietet diese Möglichkeit. YouTube bietet dazu auch einen Elternleitfaden an. Nur ist diese Funktion leicht zu deaktivieren und das Filtern bei der Vielzahl an Videos auch nicht immer gewährleistet.

 

Sicherheit

Dennoch stellen wir die wichtigsten Sicherheitsvorkehrungen vor, die Youtube zu bieten hat:

Eingeschränkter Modus 

Im eingeschränkten Modus werden anstößige Inhalte gesperrt. Youtube ermittelt anhand von Altersbeschränkungen und Reaktionen anderer Nutzer, ob ein Video möglicherweise Anstößiges beinhaltet. Sie aktivieren diesen Modus auf der Profilseite des Youtube-Accounts unten über den Button „Eingeschränkter Modus“. 

Datenschutz und Privatsphäre

Unter den Kontoeinstellungen im Profil lässt sich unter „Datenschutz“ auswählen, wer Aktivitäten des Profils sehen kann. Um eine höhere Privatsphäre zu erreichen, sollten Sie das Profil so einstellen, dass Niemand Ihre Aktivitäten nachvollziehen kann. 

Nutzer sperren oder melden

Möchten Sie einen Nutzer sperren oder melden, müssen Sie das Profil desjenigen besuchen und hier das Fähnchen-Symbol wählen. Sperren Sie jemanden, so kann derjenige Ihre Videos nicht mehr kommentieren und keine privaten Nachrichten mehr an Sie schicken. 

Video melden

Um ein Video zu melden, drücken Sie unter dem Video das Icon mit den drei Punkten „Mehr“ und wählen Sie „Melden“ aus.

Schleichwerbung im Internet: Product Placement auf Blogs und Youtube

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Kommerzialisierung und versteckte Werbung

Manche Youtuber sind so bekannt, dass sie mit ihren Videos viel Geld verdienen. Sie bekommen einen Teil der Einnahmen aus Werbung, die vor und während ihrer Videos angezeigt wird. Manche betreiben auch gezieltes Product Placement, wie vor allem am Trend sichtbar wird, bei dem Jugendliche ihre Einkäufe in die Kamera halten. Diese Videos werden "haul" genannt, zu deutsch "Ausbeute". Dieses Mittel ist gerade bei Mode- und Lifestyle-Youtubern sehr beliebt. Inwiefern Sie von den beworbenen Marken Geld erhalten, bleibt oft im Dunkeln. Nur manchmal findet sich ein Hinweis, dass es sich um einen "Sponsored Post" handelt. 

Das zeigt: 10 Jahre nach der Gründung ist Youtube auch ein Milliarden-Geschäft geworden. Unternehmen wollen über die Youtube-Stars junge Käufer erreichen und rangeln um den nächsten viralen Hit im Netz. Andere Firmen versuchen, ihre Anzeige wie ein Nutzervideo aussehen zu lassen. Das geschah bei dem schwarz-weiß Video "First Kiss", in dem sich Fremde scheinbar zum ersten Mal küssten. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es sich dabei um gecastete Schauspieler handelt, die für eine Modefirma werben.

Netzwerke wie Mediakraft ziehen Youtube-Stars professionell hoch und vermarkten sie gewinnbringend. Schlagzeilen machte der Youtuber Unge, der dem Netzwerk öffentlich kündigte und Ausbeutung vorwarf, hier im Interview mit Spiegel Online. Auch der Youtuber LeFloid hat dazu ein Statement. Es ist die große Krux im Geschäft der Blogger, YouTuber und Instagram-Sternchen: Wie kann ich aus mir selbst Kapital schlagen, ohne meine Glaubwürdigkeit und damit die Grundlage meines Erfolgs zu zerstören?

Intolerante Kommentarkultur

Auch auf Youtube selbst geht es nicht immer freundlich zu. Viele Nutzer drücken sehr deutlich aus, wenn ihnen ein Video bzw. ein Youtuber missfällt, oft gepaart mit Beleidigungen oder gar Androhungen. Auch viele homophobe oder rassistische Bemerkungen sind darunter. Unter dem Hashtag "YouGeHa", für "Youtuber gegen Hass", haben einige Kanalbetreiber dagegen eine Kampagne gestartet.

Ungeklärte Urheberrechte

Auch an anderer Stelle rumort es: In Deutschland streitet Youtube sich seit Jahren mit der Verwertungsgesellschaft Gema über die Vergütung für Musikvideos. Deshalb finden Nutzer oft folgende Nachricht, wenn sie etwa nach Musikvideos suchen: "Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar". Vorsicht gilt gerade auch für Produzenten: Urheberrechtliches Material ist nicht zu verwenden, dazu zählt auch wenn nur Musik im Hintergrund läuft.

5 Tipps für Eltern

  • Familien-Account erstellen: Bei jüngeren Kindern über gemeinsame Accounts den Überblick behalten, was Ihr Kind anschaut, postet und kommentiert sowie bei älteren Kindern dazu im Gespräch bleiben.
  • Jugendschutz aktivieren: Sicherheitseinstellungen am Gerät und im Browser aktivieren und Jugendschutzprogramme installieren. Bei Browsern empfiehlt sich der "KinderServer", bei mobilen Geräten Jugendschutz-Apps. Achtung: Manche Jugendschutzfilter sperren gleich die gesamte Youtube-Seite. Stattdessen können Eltern auf Youtube auch den "sicheren Modus" aktivieren und über ein Passwort sichern.
  • Vorsicht beim Hochladen: Mit Kindern über Selbstinszenierung und Privatsphäre sprechen. Falls sie Videos hochladen, sollte der Publikumskreis auf "Private" oder "Unlisted" eingestellt werden, damit nur ausgewählte Personen diese sehen können bzw. diese gar nicht erscheinen.
  • Kommentare moderieren: Bei eigenen Videos Kommentare deaktivieren oder einschränken, so dass sie nur nach Prüfung veröffentlicht werden. Das verhindert Cybermobbing.

Common Sense Media hat 5 Tipps in einem Video (englisch) zusammengefasst.

Streamingdienste, Youtube und Jugendschutz

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