Digitales Wohlbefinden: Auswirkungen von Social Media auf Kinder und Jugendliche
Die Auswirkungen von Social Media auf ihre Kinder beschäftigen viele Eltern. Im Schnitt verbringen Heranwachsende täglich knapp 2,5 Stunden auf Social-Media-Apps. Eine neue Studie hat untersucht, welchen Einfluss Social Media auf das digitale Wohlbefinden von Jugendlichen hat. SCHAU HIN! zeigt Eltern, welche Apps besonders beliebt sind, fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen und gibt praktische Tipps.
Inhalt des Artikels
Auswirkungen von Social Media auf Kinder: Welche Apps nutzen Kinder und Jugendliche?
Wie intensiv nutzen Heranwachsende Instagram, TikTok und Co.?
Digitales Wohlbefinden: Welche Auswirkungen hat Social Media auf Kinder und Jugendliche?
Auswirkungen von Social Media auf Kinder und Jugendliche: Was Eltern tun können
Auswirkungen von Social Media auf Kinder: Welche Apps nutzen Kinder und Jugendliche?
Fast alle Social-Media-Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat sind eigentlich erst ab 13 Jahren erlaubt. Dennoch nutzen viele Kinder die Apps, auch wenn sie das Mindestalter noch nicht erreicht haben. Die KIM-Studie 2024 zeigt, welche Social-Media-Apps Kinder zwischen sechs und 13 Jahren regelmäßig (mind. einmal pro Woche) nutzen. Besonders WhatsApp und TikTok sind in dem Alter beliebt. Instagram und Snapchat zählen ebenfalls zu den meistgenutzten Diensten, werden jedoch etwas seltener regelmäßig genutzt.
Mit zunehmendem Alter steigt die Social-Media-Nutzung deutlich an. Insbesondere in der Altersphase zwischen zehn und elf Jahren nutzen immer mehr Kinder Apps wie TikTok, Instagram und Snapchat. Dieser Trend bestätigt sich auch mit der JIM-Studie 2025, die die Mediennutzung von Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren erfasst. Die Studie zeigt: WhatsApp ist weiterhin der Spitzenreiter. Fast alle Jugendlichen nutzen die App mindestens mehrmals in der Woche oder täglich. Die beliebteste Social-Media-App ist Instagram mit etwa 63 Prozent regelmäßiger Nutzung, darauf folgen Snapchat und TikTok.
Wie intensiv nutzen Heranwachsende Instagram, TikTok und Co.?
Auch die Regelmäßigkeit der Nutzung steigt mit dem Alter an. Während laut KIM-Studie 2024 rund 10 Prozent der Kinder zwischen sechs und sieben Jahren TikTok regelmäßig nutzen, sind es bei den Zwölf- bis 13-Jährigen bereits 71 Prozent. Bei nahezu allen Apps nimmt die Nutzungsintensität mit steigendem Alter der Jugendlichen zu. Das heißt: Jugendliche nutzen die Social-Media-Apps häufiger, je älter sie sind.
Die JIMplus-Studie 2026 hat außerdem erfasst, wie viel Zeit Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren auf den jeweiligen Apps verbringen. Besonderes viele Jugendliche nutzen regelmäßig YouTube (79 Prozent) und Instagram (69 Prozent), am zeitintensivsten wird jedoch TikTok (60 Prozent) genutzt. 13 Prozent der Befragten verbringen mehr als drei Stunden pro Tag auf der App. Weitere 24 Prozent nutzen die App ein bis drei Stunden pro Tag.
Bei den anderen Social-Media-Plattformen sind die Nutzungszeiten deutlich geringer. Die befragten Jugendlichen verbringen also am meisten Zeit auf YouTube, Instagram und TikTok. Hier dominiert schnelllebiger Content mit kurzen Videos, oft von Personen, die die Heranwachsenden nicht aus dem echten Leben kennen.
Bei einigen jungen NutzerInnen kann laut der DAK Mediensucht-Studie 2026 auch eine pathologische, also krankhafte, Nutzung von Social Media festgestellt werden. Im Oktober 2025 traf das auf etwa 6,6 Prozent der befragten 10- bis 17-Jährigen zu. Bei 21,5 Prozent liegt eine riskante Nutzung vor.
Digitales Wohlbefinden: Welche Auswirkungen hat Social Media auf Kinder und Jugendliche?
Die Zahlen zeigen: Social Media ist ein fester Bestandteil des täglichen Lebens von vielen Jugendlichen. Insbesondere Instagram, Snapchat und TikTok sind bei Heranwachsenden beliebt. Einige nutzen die Apps mehrere Stunden täglich – damit sind sie aus dem Alltag vieler nicht mehr wegzudenken. Die Auswirkungen von Social Media auf Kinder und Jugendliche zeigen sich aber nicht nur in der Nutzungsdauer, sondern auch im digitalen Wohlbefinden. Die JIMplus-Studie 2026 hat untersucht, wie sich die Social-Media-Nutzung von Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren darauf auswirkt.
Laut der Studie beinhaltet Social Media sowohl positive als auch negative Erfahrungen und Gefühle für Jugendliche. Beim Scrollen erleben Heranwachsende ein dauerhaftes Wechselbad der Gefühle. Es ergeben sich drei Spannungsfelder, mit denen die Jugendlichen bei der Nutzung konfrontiert sind:
| Positiv | Negativ |
| Leichtigkeit | Überlastung |
| Horizonterweiterung | Vergleichsdruck |
| Verbundenheit | FOMO (fear of missing out, dt.: Angst, etwas zu verpassen) & Einsamkeit |
Chancen und Risiken von Social Media für das digitale Wohlbefinden
Social Media ist für Heranwachsende also einerseits ein Ort für Ablenkung, Unterhaltung, Vernetzung und Identitätsbildung. 63 Prozent gaben an, dort leichter Gleichgesinnte mit ähnlichen Interessen zu finden, und etwa die Hälfte fühlt sich auf Social Media verstanden. Außerdem ist es für viele ein wichtiger Zugang zu Wissen oder dient als Motivation.
Andererseits geben 72 Prozent der Befragten an, sich von Social Media leicht ablenken zu lassen, und gut die Hälfte hat das Gefühl, dort die eigene Zeit zu verschwenden. Ebenso löst Social Media Vergleichsdruck aus: Etwa die Hälfte der Jugendlichen gab an, durch Social Media den Eindruck zu bekommen, Andere würden ein besseres Leben führen. 36 Prozent berichten, dass Social Media bei ihnen Zweifel an den eigenen Fähigkeiten auslöst.
Insgesamt berichten die befragten Jugendlichen von Konzentrationsproblemen (40 Prozent), einem schlechten Gewissen nach längerer Nutzung (37 Prozent) und müden oder gereizten Augen (32 Prozent).
Auch kommen Jugendliche auf Social Media leicht mit Themen in Berührung, die sie als belastend empfinden und die einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden haben. Dazu zählen laut den Befragten insbesondere:
Drastische Gewaltinhalte
Aufrufe zu selbstverletzendem Verhalten
Außerdem gaben Mädchen und Jungen, die viel Zeit auf Social Media verbringen, vermehrt an, sich in ihrem Körper unwohl zu fühlen – besonders häufig ist dies so bei Mädchen, die täglich mehr als eine Stunde auf TikTok verbringen. Dort berichtet fast die Hälfte der Mädchen mit einer hohen Nutzungszeit, sich in ihrem Körper unwohl zu fühlen. Bei Jungen ist dieser Wert mit 28 Prozent deutlich geringer.
Auswirkungen von Social Media auf Kinder und Jugendliche: Was Eltern tun können
Social Media kann also sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf Heranwachsende haben. Dabei spielen Eltern, Erziehende und andere Vertrauenspersonen eine zentrale Rolle: Der Austausch mit erwachsenen Vertrauenspersonen ist für etwa 47 Prozent der befragten Jugendlichen eine wichtige Bewältigungsstrategie. Außerdem ist das Wohlbefinden bei Jugendlichen höher, die viel Zeit mit der Familie verbringen. Befragte ohne (elterliche) Unterstützung bei ihren Online-Erfahrungen weisen hingegen niedrige Werte für ihr Wohlbefinden auf.
So können Sie Ihr Kind im Umgang mit Social Media unterstützen:
- INTERESSE ZEIGEN – OHNE DRUCK
Eltern sind bei Jugendlichen oft nicht mehr die erste Ansprechperson, wenn sie Probleme haben oder sie etwas belastet. Bleiben Sie als Eltern trotzdem interessiert daran, was Ihr Kind online und offline erlebt, ohne seine Grenzen zu verletzen. Fragen Sie nach, was Ihr Kind gerade besonders beschäftigt, welche Trends es online verfolgt und wie es sich damit fühlt. - REGELN STATT VERBIETEN
Social Media ist nicht immer schlecht. Bleiben Sie also offen und verbieten Sie nicht pauschal alles. Fragen Sie nach, was Ihr Kind an bestimmten Plattformen interessiert und warum es sie nutzen möchte. Legen Sie gemeinsam Regeln für Bildschirmzeiten und das Verhalten auf Social-Media-Plattformen fest. - ANREIZE IN DER REALEN WELT SCHAFFEN
Die Studie zeigt auch, dass Jugendliche Treffen in der echten Welt mit FreundInnen, Sport und Zeit mit der Familie schätzen. Schaffen Sie also Angebote für Aktivitäten mit FreundInnen oder der Familie. Ermutigen Sie Ihr Kind, Sportarten auszuprobieren und Interessen, die es online hat, auch in der realen Welt zu verfolgen. Fest integrierte Termine im Alltag oder im Tagesablauf können helfen, Auszeiten von Social Media zu schaffen. - ÜBER DRUCK UND SCHÖNHEITSIDEALE SPRECHEN
Viele Jugendliche vergleichen sich mit Darstellungen von InfluencerInnen oder anderen Gleichaltrigen auf Social Media. Sie empfinden Druck und können ein verzerrtes Körperbild oder ein geringes Selbstwertgefühl entwickeln. Schaffen Sie ein Verständnis dafür, dass viele Beiträge nur ausgewählte Ausschnitte des Lebens zeigen und sie häufig bearbeitet oder bewusst inszeniert sind. - HILFE ANBIETEN
Statten Sie Ihr Kind mit einem guten Werkzeugkoffer für die Nutzung von Social Media aus. Zeigen Sie, wie es Inhalte melden und sich vor ungewollten Inhalten schützen kann. Dabei können auch technische Einstellungen unterstützen. Instagram bietet etwa die Funktion der Teen-Konten an. Legen Sie Vertrauenspersonen oder Unterstützungsangebote fest, an die sich Ihr Kind wenden kann. So kann Ihr Kind Hilfe bekommen, auch wenn es nicht direkt mit Ihnen sprechen möchte. - JÜNGERE KINDER SCHÜTZEN
Auch Kinder, die noch keine 13 Jahre alt sind, möchten oft bereits Social Media nutzen. Erkläre Sie Ihren jüngeren Kindern, dass die Altersgrenze von 13 Jahren ihrem Schutz dient – nicht, weil ihnen etwas nicht zugetraut wird, sondern weil Social Media für ältere NutzerInnen entwickelt wurden und jüngere Kinder dort, wie im Straßenverkehr auch, besonderen Risiken ausgesetzt sein können.
Die Auswirkungen von Social Media auf Kinder und Jugendliche sind vielfältig. Soziale Netzwerke können Unterhaltung, Austausch und Orientierung bieten, aber auch Vergleichsdruck oder belastende Erfahrungen mit sich bringen. Entscheidend ist deshalb, dass Eltern ihre Kinder begleiten, Interesse zeigen und gemeinsam einen bewussten Umgang mit Social Media entwickeln.