Medienkonsum bereitet Eltern mehr Sorgen als schlechte Noten
Die Mediennutzung ihrer Kinder beschäftigt Eltern wie kaum ein anderes Thema. Laut einer Studie steht das Thema für jedes zweite Elternteil ganz oben auf der Sorgenliste. SCHAU HIN! fasst die Studienergebnisse zusammen und schlägt Regeln und Tipps vor, die im Alltag mit digitalen Medien helfen können.
Die Körber-Stiftung befragte in der Umfrage „Eltern im Fokus“ im Frühjahr 2025 mehr als 1.000 Eltern von Kindern zwischen 12 und 18 Jahren. Inhalt der Befragung war, wie stark Eltern unter Druck stehen und welches die Gründe für ihre größten Sorgen sind. Ein zentrales Ergebnis der Erhebung: 50 Prozent der Eltern bereitet der Medienkonsum ihrer Kinder besonders große Sorgen. Zum Vergleich: 29 Prozent machen sich Gedanken um mangelnde Motivation und 23 Prozent um die schulischen Leistungen ihrer Kinder. Medienkonsum ist damit der häufigste Auslöser für Streit in Familien. Auffällig ist, dass sich laut Studie Väter häufiger Sorgen machen als Mütter (54 Prozent gegenüber 46 Prozent). Bei Jungen ist die Sorge der Eltern größer als bei Mädchen. Zeigen Kinder bereits schlechte schulische Leistungen, verstärkt sich die Sorge um den Medienkonsum noch weiter: 60 Prozent der Eltern sind dann besonders beunruhigt.
Ein Viertel der Eltern (25 Prozent) sieht außerdem sozialen Druck durch Plattformen, InfluencerInnen und Trends als relevanten Stressfaktor für ihre Kinder. Das zeigt, dass nicht nur um die reine Bildschirmzeit ausschlaggebend für die Bedenken der Eltern ist, sondern auch um die Inhalte und Dynamiken, denen Jugendliche online begegnen.
Die Rolle der Eltern bei der Medienerziehung
Über zwei Drittel der Eltern bemühen sich aktiv, ihren Kindern einen verantwortungsvollen Medienumgang zu vermitteln. Besonders stark ist das Engagement bei Jüngeren (zwölf bis 14 Jahre), während es bei den Älteren (17–18 Jahre) auf gut die Hälfte zurückgeht.
Knapp jedes zweite Elternteil (46 Prozent) ist dennoch überzeugt, dass Kinder gezielt Hilfe brauchen, um Medienkompetenz zu entwickeln. Dabei sehen 43 Prozent die Verantwortung klar bei sich selbst, während 53 Prozent Schule und Elternhaus gleichermaßen in der Pflicht sehen. Dass das Thema inzwischen breit in Politik und Medien diskutiert wird, unterstreicht seine gesellschaftliche Relevanz.
Warum Medienkonsum zur größten Sorge wird
Die Sorgen vieler Eltern ist nicht unbegründet: Cybermobbing, verstörende Inhalte, Kostenfallen in Spielen oder Falschinformationen können Kinder belasten. Auch eine übermäßige Mediennutzung kann problematisch werden.
Umso wichtiger ist es, dass Eltern ihre Kinder begleiten: Unterstützung bei Cybermobbing, altersgerechte Sicherheitseinstellungen und offene Gespräche über schwierige Inhalte geben Orientierung. Aufklärung über Online-Käufe und das gemeinsame Hinterfragen von Informationen fördern kritisches Denken. Klare Regeln zu Nutzungszeiten und alternative Aktivitäten beugen Probleme vor.
Gleichzeitig bieten digitale Medien wertvolle Chancen, wenn man weiß, wie man sie sinnvoll einsetzen kann: Lern-Apps und KI-gestützte Tools können Inhalte individuell aufbereiten und das Lernen erleichtern. Kreative Anwendungen ermöglichen Kindern, eigene Videos, Musik oder Zeichnungen zu gestalten. Und im Netz lassen sich Gleichgesinnte finden – ob beim Spielen, beim Sport oder bei speziellen Hobbys, die im direkten Umfeld vielleicht kaum jemand teilt. So entstehen neue Freundschaften und wichtige Zukunftskompetenzen.
Was Eltern tun können
- Interesse zeigen
Konkrete Fragen wie „Was spielst du momentan gerne online?“ oder „Wem folgst du auf Instagram?“ zeigen Heranwachsenden, dass ihre Welt ernst genommen wird. Offene Gespräche ohne Vorurteile schaffen Vertrauen – und sie trauen sich eher, Probleme oder Unsicherheiten anzusprechen. - Verstehen statt verbieten
Reine Verbote greifen oft zu kurz. Wichtiger ist es, Kindern beizubringen, Medien reflektiert zu nutzen, genug Pausen einzulegen und zusammen individuelle Lösungen für den Medienkonsum zu finden. - Über Risiken aufklären
Kinder sollten altersgerecht über Gefahren im Netz informiert werden – etwa über Cybergrooming, Werbung oder Kostenfallen in Spielen. Beispielsweise können Eltern erklären, warum man bei fremden Personen auf sozialen Netzwerken misstrauisch sein sollte oder wie Werbung erkennbar ist. So entwickeln Kinder ein Bewusstsein dafür, wo Risiken liegen und wann sie sich Hilfe holen sollten. - Regel gemeinsam festlegen
Altersgerechte Absprachen zu Medienzeiten und Inhalten geben Orientierung. Hilfreich ist ein gemeinsam erstellter Mediennutzungsvertrag, der klare Regeln festhält und von allen akzeptiert wird. - Vorbild sein
Kinder orientieren sich stark am Verhalten der Eltern. Wer selbst bewusst mit dem Smartphone umgeht und Pausen einhält, geht mit gutem Beispiel voran. - Bildschirmzeit regulieren
Es ist sinnvoll, die Bildschirmzeiten altersgerecht zu beschränken. Dazu können Eltern auf technische Unterstützung setzten: „Bildschirmzeiten“ bei Apple-Geräten oder „Family Link“ für Android bieten Einstellungsmöglichkeiten. Einige soziale Netzwerke wie TikTok bieten ebenfalls erweitere Funktionen, mit der Erziehende die Bildschirmzeit besser steuern können. Anleitungen für technische Begrenzungen gibt es bei medien-kindersicher.de. Jedoch kann die Bildschirm-Regulation Gespräche über den Umgang mit digitalen Medien nicht ersetzen. - Bei Problemen Hilfe holen
Wenn Kinder mit Sorgen wie Cybermobbing oder unangenehmen Kontakten auf Sie zukommen, brauchen sie vor allem das Gefühl, nicht allein zu sein. Hilfe finden Eltern und Kinder bei Beratungsstellen wie klicksafe, Nummer gegen Kummer oder JUUUPORT zu suchen. Bei strafrechtlichen Angelegenheiten sollte die Polizei informiert werden, das geht auch digital und anonym über fragzebra.de.