Smartphone für Kinder: Brauchen Kinder wirklich ein eigenes Smartphone?
Ab der Grundschule und mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule geht in vielen Familien die Diskussion rund ums erste eigene Smartphone los. Viele Kinder argumentieren mit „Alle in der Klasse haben ein Smartphone“. SCHAU HIN! zeigt Ihnen, was an dem Argument dran ist, welche Alternativen es gibt und worauf Sie beim Kauf eines Smartphones achten sollten.
„Alle haben eins“: Wie viele Kinder haben ein Smartphone?
Warum haben andere Kinder ein Smartphone?
Kinder und Smartphone: Welche Vor- und Nachteile bringt ein eigenes Smartphone?
Welche Folgen kann ein späterer Smartphone-Einstieg für Kinder haben?
Kinder-Smartphone: Welche Alternativen zum Smartphone gibt es?
„Alle haben eins“: Wie viele Kinder haben ein Smartphone?
„Aber alle in meiner Klasse haben ein Smartphone“: Kommt Ihnen diese Aussage bekannt vor? Viele Eltern fühlen sich unter Druck gesetzt, ihrem Kind bereits im Grundschulalter ein eigenes Smartphone anzuschaffen. Oft haben sie Angst, ihr Kind könnte Nachteile im Alltag erfahren, wenn es kein eigenes Gerät besitzt. Aber – haben wirklich alle anderen Kinder ein Smartphone?
Unsere SCHAU HIN!-Elternbefragung 2025 zeigt: So ganz stimmt das nicht. Im Alter von zehn bis dreizehn Jahren besitzen demnach bereits 89 Prozent ein eigenes Smartphone, bei den Kindern zwischen sechs und neun Jahren sind es hingegen nur 22 Prozent.
Auch die KIM-Studie 2024 zeigt ein ähnliches Bild. Demnach besitzen knapp die Hälfte der Kinder in Deutschland zwischen sechs und 13 ein eigenes Smartphone:
Sechs bis sieben Jahre: 11 Prozent
Acht bis neun Jahre: 33 Prozent
Zehn bis elf Jahre: 63 Prozent
Zwölf bis 13 Jahre: 79 Prozent
Laut der JIM-Studie 2025 besitzen sogar 95 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren ein Smartphone. Das zeigt: Mit zunehmendem Alter gehört das Smartphone eindeutig zum Alltag der meisten Kinder und Jugendlichen dazu. Häufig ist der Wechsel auf die weiterführende Schule der Zeitpunkt, an dem Kinder ein eigenes Smartphone bekommen. Im Grundschulalter hingegen gibt es auch noch viele Kinder, die kein eigenes Gerät besitzen. „Alle haben eins“ – das stimmt pauschal also nicht.
Warum haben andere Kinder ein Smartphone?
Oft kommt der Wunsch nach einem eigenen Smartphone durch den Vergleich mit anderen Kindern. Ein Smartphone bietet viele Möglichkeiten, die Spaß machen und neue Welten eröffnen. Auch die Kommunikation mit Gleichaltrigen spielt eine entscheidende Rolle. Wenn in einer Klasse zehn Kinder ein Smartphone besitzen, sprechen meist genau diese Kinder darüber, zeigen Apps oder schreiben im Klassenchat. Diejenigen ohne Smartphone fallen weniger auf. So entsteht leicht der Eindruck, alle hätten bereits eins. Bei Eltern führt das oft zu Sorge, ihr Kind könnte ausgeschlossen werden, wenn es im Klassenchat nicht mitschreiben und bei neusten Online-Themen nicht mitreden kann.
Bei vielen Eltern führt das dazu, dass sie ihrem Kind schließlich ein Smartphone kaufen. Die KIM-Studie 2024 zeigt, dass etwa 59 Prozent der befragten Eltern das Smartphone als wichtig ansehen, um bei FreundInnen mitreden zu können. Dabei wird das Gerät vor allem als Statussymbol angesehen – es markiert einen großen Schritt in Richtung des Erwachsenwerdens.
Aber nur weil Ihr Kind bereit für ein Smartphone ist, heißt das nicht automatisch, dass es dieses auch wirklich „braucht“. Vielmehr geht es darum, gemeinsam mit Ihrem Kind zu entscheiden, ob ein Smartphone aktuell wirklich sinnvoll ist und welche Argumente dafür oder dagegen sprechen.
Kinder und Smartphone: Welche Vor- und Nachteile bringt ein eigenes Smartphone?
Ein eigenes Smartphone ist nicht gleich „schlecht“. Es bringt viele Vor- und Nachteile mit sich, die Sie gemeinsam mit Ihrem Kind abwiegen können. Wenn Sie also entscheiden wollen, ob Ihr Kind ein Smartphone „braucht“, schauen Sie auf die individuellen Bedürfnisse Ihres Kindes und Ihrer Familie. Überlegen Sie, welchen Nutzen ein solches Gerät wirklich bringen würde. Erstellen Sie eine Pro- und Contra-Liste – jeder darf seine Argumente einbringen.
Die KIM-Studie 2024 gibt Einblicke darin, wie andere Eltern die Smartphone-Nutzung bei Kindern wahrnehmen:
| Pro | Contra |
| Fördert die Fantasie von Kindern (21 %) | Hat Einfluss auf Gewaltbereitschaft (34 %) |
| Kinder lernen aus Medien (26 %) | Kinder erfahren ungeeignete Dinge (38 %) |
| Vermittelt Eindruck vom wirklichen Leben (17 %) | Macht Kindern zu Stubenhockern (41 %) |
| Ist wichtig, um bei Freunden mitzureden (59 %) | Sorgt oft für Streit in der Familie (55 %) |
| Ist wichtig für Schulerfolg (20 %) | Kinder haben Schwierigkeiten mit Medien aufzuhören (61 %) |
Für viele Eltern spielt auch die Organisation des eigenen Familienalltags eine entscheidende Rolle, insbesondere Messenger-Apps wie WhatsApp. Mehr als die Hälfte der Eltern gab an, dass ihr Kind ohne WhatsApp benachteiligt sei, da es sonst nicht alles mitbekommt. Auch solche Faktoren sind wichtig, um zu entscheiden, ob ihr Kind wirklich ein Smartphone braucht.
Welche Folgen kann ein späterer Smartphone-Einstieg für Kinder haben?
Viele Eltern sorgen sich, dass ihr Kind ausgegrenzt wird oder weniger Medienkompetenz besitzt, wenn es erst später ein eigenes Smartphone bekommt. Andere erhoffen sich von dem Verzicht auf ein eigenes Gerät eine unbeschwerte Kindheit, bessere schulische Leistungen und weniger Stress in der Familie.
Es gibt bislang keine belastbaren Belege dafür, dass Kinder, die erst später ein eigenes Smartphone bekommen, langfristige Nachteile dadurch erfahren. Auch im Bereich Medienkompetenz kommt es weniger auf das Einstiegsalter an, sondern auf die Begleitung, gemeinsame Nutzung und Regeln.
Im Gegensatz dazu legen Studienergebnisse nahe, dass eine übermäßige frühzeitige Smartphone-Nutzung negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern hat. Aber auch hier gibt es grundsätzlich keinen Grund zur Panik: Wenn Sie die Bildschirmzeiten regulieren, genügend Aktivitäten ohne Medien in den Alltag integrieren und mit Ihrem Kind klare Regeln festlegen, legen Sie eine gute Grundlage für einen gesunden Medienkonsum.
Aber: Jedes Kind und jede Situation ist anders. Wenn Ihr Kind sichtlich darunter leidet, kein Smartphone zu besitzen und Kontakt zu FreundInnen verliert, sprechen Sie gemeinsam über Lösungen, wie Ihr Kind an der digitalen Welt teilhaben kann.
Kinder-Smartphone: Welche Alternativen zum Smartphone gibt es?
Es muss nicht immer direkt ein voll ausgestattetes Smartphone sein. Es gibt viele andere Lösungen, wie Sie die Medienerfahrung Ihres Kindes verbessern und Teilhabe ermöglichen können, ohne direkt ein eigenes Gerät anzuschaffen. Viele Kinder dürfen etwa das Handy ihrer Eltern benutzen, um mit FreundInnen zu chatten, ein YouTube-Video zu schauen oder etwas im Internet zu suchen.
Es gibt aber auch andere Geräte, die eine echte Alternative zum Smartphone sind. Sprechen Sie mit Ihrem Kind, woher das Bedürfnis kommt, ein Smartphone zu besitzen: Möchte es Spiele spielen? Mit Gleichaltrigen chatten und in Kontakt bleiben? Videos ansehen und lernen? Wenn Sie besser verstehen, was das eigentliche Bedürfnis ist, fällt es leichter, eine geeignete Alternative zu finden.
Ob Ihr Kind ein eigenes Smartphone braucht, hängt weniger vom Alter oder davon ab, was andere Kinder besitzen. Entscheidend ist, ob das Gerät zum Alltag Ihrer Familie passt, Ihr Kind verantwortungsvoll damit umgehen kann und Sie den Einstieg begleiten. Lassen Sie sich deshalb nicht von Aussagen wie „Alle haben eins“ unter Druck setzen, sondern treffen Sie die Entscheidung gemeinsam mit Ihrem Kind.
FAQ: Welches Smartphone eignet sich für mein Kind?
Wenn Sie sich dazu entscheiden, ein Smartphone für Ihre Kind zu kaufen, muss es nicht immer gleich das neuste und teuerste Markengerät sein. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie beim Kauf des Smartphones achten sollten.
Für den Einstieg sollte das Gerät bestimmte grundlegende Anforderungen erfüllt:
einfache und verständliche Bedienung
Möglichkeit zur Einrichtung von Kinderschutz- und Sicherheitsfunktionen
regelmäßige Software-Updates
gute Akku- und Alltagsstabilität
ausreichend Speicher für grundlegende Apps und Fotos
Möglichkeit zur Kontrolle von App-Nutzung und Bildschirmzeit
Oft eignen sich deshalb auch ältere oder günstigere Einsteigermodelle, solange sie technisch noch unterstützt werden und sich sicher einrichten lassen. Entscheidend bleibt, dass das Smartphone zum Alltag des Kindes passt und gut begleitet werden kann.
Der Sicherheitsaspekt sollte für Sie eine wichtige Rolle spielen. Smartphones bieten viele Möglichkeiten: Kinder können ins Internet gehen, über Messenger chatten, spielen und vieles mehr. Diese Angebote bringen jedoch auch Risiken mit sich. Besonders jüngere Kinder sollten beim Einstieg in die Smartphonenutzung gut geschützt werden.
Die verschiedenen Betriebssysteme und Hersteller bieten dafür unterschiedliche Einstellungen. Einen Überblick über die grundlegenden Unterschiede und Daten verschiedener Betriebssysteme bietet die EU-Initiative klicksafe. Auch Jugendschutz-Apps funktionieren teilweise nur auf bestimmten Systemen. Informieren Sie sich am besten vorab über die Möglichkeiten der jeweiligen Modelle, welche wichtigen Sicherheitseinstellungen direkt auf dem Smartphone vorgenommen werden können und welche Apps zusätzlichen Jugendschutz bieten. Aber auch Sicherheitseinstellung fangen nicht alle Risiken ab. Eltern bleiben für Kinder weiterhin die wichtigsten AnsprachpartnerInnen – bleiben Sie also mit Ihrem Kind im Gespräch.
Auch die Kosten eines Smartphones machen die Anschaffungsfrage zu einem Thema zwischen Eltern und Kindern. Sie können besonders ältere Kinder teilweise an den Anschaffungs- und Vertragskosten beteiligen. So lernen sie, dass ein Smartphone Geld kostet und dass auch Ausgaben wie Telefonieren, Datenvolumen oder In-App-Käufe je nach Vertrag zusätzliche Kosten verursachen können.
Ein weiterer Punkt ist die Verantwortung, die ein Kind mit dem Besitz eines so wertvollen Geräts wie eines Smartphones übernimmt. Gerade jüngere Kinder können unter Druck geraten, wenn ihnen immer wieder gesagt wird, gut darauf aufzupassen. Geht das Smartphone verloren oder kaputt, können mögliche Schuldgefühle das Kind stark belasten. Für den Einstieg eignet sich deshalb oft ein günstiges oder auch gebrauchtes Modell, dessen Verlust keinen großen finanziellen Schaden verursacht.