Demokratie und Medien: Welche Rolle spielen soziale Medien in der Demokratie?
– NewsIm September stehen in drei Bundesländern Landtagswahlen an. Bei den Umfragen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zeigt sich: Junge Menschen vertreten immer häufiger extreme Positionen. Dabei spielt auch Social Media eine entscheidende Rolle. SCHAU HIN! zeigt Eltern, was sie rund um Wahlen, Demokratie und Medien bei Kindern und Jugendlichen wissen sollten.
Inhalt des Artikels
Demokratie und Medien: Welche Rolle spielen soziale Medien in der Demokratie?
Extremismus und Hate Speech: Infos für Eltern vor den Landtagswahlen 2026
Wie erkennen Kinder und Jugendliche „Fake News“, Desinformation und Künstliche Intelligenz?
Demokratie und Medien: Welche Rolle spielen soziale Medien in der Demokratie?
Für viele Kinder und Jugendliche sind das Internet und insbesondere Social Media inzwischen eine bedeutende Informationsquelle. Eine Studie des Progressiven Zentrums, der Bertelsmann Stiftung und der Stiftung Mercator zeigt, dass 68 Prozent der 16- bis 19-Jährigen in Deutschland politischen InfluencerInnen folgen. Für Jugendliche sind Online-Medien und Social Media also neben dem sozialen Umfeld eine wichtige Informationsquelle. Hier tauschen sie sich nicht nur mit FreundInnen aus, sondern kommen auch mit Nachrichten, politischen Meinungen und Parteien in Berührung.
Das bietet Heranwachsenden einerseits die Möglichkeit, sich politisch zu bilden, eigene Positionen zu entwickeln und sogar selbst aktiv zu werden. Andererseits birgt es auch Gefahren, etwa durch Extremismus, Fake News oder Desinformationskampagnen.
Social Media, Online-Foren und Messengerdienste beeinflussen also das Demokratieverständnis von Kindern und Jugendlichen. Das kann reale Auswirkungen haben – spätestens dann, wenn sie alt genug sind, ihre Stimme an der Wahlurne abzugeben.
In den Umfragen kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zeigt sich, wie sich das auch auf aktuelle Wahlen auswirken kann. So wählen junge Menschen immer häufiger Parteien mit teilweise extremen Positionen an den politischen Rändern. Gleichzeitig sind es genau diese Parteien, die auf Social Media besonders beliebt sind und über große Reichweiten verfügen. Es ist also anzunehmen, dass das, was Jugendliche auf Social Media sehen, auch einen Einfluss auf ihre politischen Positionen haben kann.
Deswegen ist es wichtig, Heranwachsende mit ihren Erfahrungen rund um Politik im Netz nicht allein zu lassen. In den folgenden Abschnitten geben wir Ihnen eine Übersicht über hilfreiche Artikel bei SCHAU HIN!, die Sie unterstützen, Ihr Kind im Umgang mit politischem Content zu begleiten.
Extremismus und Hate Speech: Infos für Eltern vor den Landtagswahlen 2026
Extremistische Positionen sind auf Social Media besonders präsent. Die JIM-Studie 2025 zeigt, dass 59 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen bereits mit extremen politischen Ansichten im Internet in Kontakt gekommen sind. Zudem stellt der Verfassungsschutz fest, dass sich immer mehr Jugendliche im Internet und über Social Media radikalisieren.
SCHAU HIN! zeigt Eltern in diesem Artikel, was es mit Extremismus im Netz auf sich hat, wie Meinungsmache auf Social Media funktioniert, welche Warnsignale es bei Kindern und Jugendlichen gibt und was Eltern gegen extremistische Meinungsmache tun können.
Bei den aktuellen Landtagswahlen können insbesondere rechtsextreme Parteien und Positionen viele junge Menschen begeistern – insbesondere Männer. In diesen Artikeln erfahren Sie mehr zum Umgang mit Rechtsextremismus und Phänomenen wie der „Manosphere“, einem frauenfeindlichen Online-Milieu.
Auch Hate Speech, also die Verbreitung von Hass gegen bestimmte Gruppen oder Menschen aufgrund von Merkmalen wie Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Religion, ist im Internet weit verbreitet. ExtremistInnen nutzen Hate Speech auch, um gezielt gegen andere zu hetzen und dabei Stereotype zu verbreiten. Mehr zum Thema Hate Speech und wie Sie Ihr Kind im Umgang damit unterstützen können, erfahren Sie in diesen beiden Artikeln.
Wie erkennen Kinder und Jugendliche „Fake News“, Desinformation und Künstliche Intelligenz?
Gezielte Desinformation, oft auch als „Fake News“ bezeichnet, verbreitet sich schnell im Netz. Für Kinder und Jugendliche kann es schwer sein, diese als falsch und manipulativ zu erkennen. Teilweise werden solche gezielten Falschinformationen auch von politischen Parteien eingesetzt, um die Meinungen anderer zu beeinflussen und ihre Botschaften zu verbreiten.
Wie verbreitet Desinformation ist, zeigt die JIM-Studie 2025: Hier gaben 67 Prozent der Jugendlichen an, im letzten Monat „Fake News“ begegnet zu sein. Auf Social Media können sich solche gezielten Falschinformationen leicht verbreiten, da sie schnell weitergeschickt werden, ohne dass die Informationen oder Quelle vorher geprüft wurden.
SCHAU HIN! zeigt Ihnen in diesen beiden Artikeln, was hinter dem Begriff „Fake News“ steckt, wie Sie diese erkennen können, welchen Einfluss Desinformation auf die Demokratie hat und wie Sie Heranwachsende beim richtigen Umgang damit unterstützen können.
Mit der Verbreitung von Künstlicher Intelligenz und KI-Chatbots wird es zunehmend schwieriger zu erkennen, woher Infos stammen und ob diese wirklich wahr sind. Dabei sind fundierte Quellen und Fakten die Grundlage dafür, sich eine eigene Meinung zu bilden. Deswegen ist es für Kinder und Jugendliche wichtig, nicht einfach blind allem zu vertrauen, sondern Quellen zu checken und nachzudenken, bevor sie Beiträge teilen oder liken.
Welchen Einfluss KI auf die Verbreitung von Desinformation hat, wie häufig Kinder und Jugendliche KI nutzen und was Sie als Eltern tun können, um Ihr Kind im richtigen Umgang mit Chatbots und Co. zu unterstützen, zeigen wir Ihnen in diesen Artikeln.
Auch unsere digitalen Elternabende mit SCHAU HIN!-Mediencoach Dr. Iren Schulz können Ihnen helfen, einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit KI im Familienalltag zu finden.
Altersgerechte Informationen und Nachrichten finden
Neben den Risiken wie Extremismus und Desinformation bringt Social Media auch viele Chancen für die Demokratiebildung von Kindern und Jugendlichen mit. Dort finden sie oft einen niedrigschwelligen Einstieg in politische Themen. So geben laut der Shell-Jugendstudie 2024 55 Prozent der Jugendlichen an, politisch interessiert zu sein. 2002 waren es noch deutlich weniger. Gleichzeitig informieren sich Heranwachsende regelmäßiger über politische Themen und zeigen eine zunehmende Bereitschaft zu politischem Engagement.
Social Media bietet also eindeutig auch die Chance, sich zu informieren und ein Interesse für Themen rund um Politik und Demokratie zu wecken. Um im Social-Media-Dschungel aus ExtremistInnen, KI und Desinformation aber gute und altersgerechte Inhalte herauszufiltern, braucht es Unterstützung.
SCHAU HIN! zeigt Ihnen, wo Sie altersgerechte Nachrichten finden, wie Sie schwierige Themen der politischen Weltlage besprechen und Ihr Kind dabei unterstützen können, eine fundierte Meinung zu entwickeln.
Demokratie und Medien: Tipps für Eltern
Sie wollen Ihr Kind zu einer mündigen Person erziehen, die sich seiner Rolle in der Demokratie bewusst ist und sich dafür stark macht? Dabei können auch Medien helfen. So unterstützen Sie Ihr Kind dabei:
- INTERESSE ZEIGEN
Fragen Sie nach, was Ihr Kind gerade besonders oft sieht und was es interessiert. Oft können Nachrichten und aktuelle Ereignisse überfordern – da hilft es, wenn Sie Gespräche anbieten und aktiv nachfragen. Bohren Sie aber auch nicht zu viel nach, wenn Ihr Kind abblockt oder wenig preisgeben möchte. - POLITIK UND WAHLEN ZUM THEMA MACHEN
Auch wenn die eigenen Eltern mit zunehmendem Alter nicht mehr die ersten Ansprechpersonen für Heranwachsende sind, ist es wichtig, ein aktives Demokratieverständnis vorzuleben. Sprechen Sie gemeinsam über aktuelle Wahlen und darüber, welche Themen Ihrem Kind gerade besonders am Herzen liegen. Zeigen Sie, warum es wichtig ist, wählen zu gehen. Vor den aktuellen Landtagswahlen können Sie zum Beispiel gemeinsam den Wahl-O-Mat machen und Ihre Positionen diskutieren. - VERTRAUENSWÜRDIGE ACCOUNTS FINDEN
Bei der Fülle an Kanälen, InfluencerInnen und Infos auf Social Media kann es schwer sein, den Durchblick zu behalten. Wer vermittelt verlässliche Informationen? Und wer möchte nur Stimmung machen? funk, das Jugendangebot von ARD und ZDF, bereitet auf seinen Kanälen Infos altersgerecht für Teenager auf. Auch Formate wie nicetoknow, Planet Politics, News-WG oder tagesschau bieten auf Instagram, TikTok und Co. niedrigschwellige News für Jugendliche an. Für kleinere Kinder ist Social Media noch nicht geeignet. Hier sind sichere Websites für Kinder wie logo!, kindersache oder Duda.news die bessere Adresse, um schon von klein auf mit Nachrichten und Politik in Berührung zu kommen. - FAKTENCHECK MACHEN
Fakten sind die Grundlage, um sich eine Meinung zu bilden. In Zeiten von „Fake News“, Desinformationskampagnen und KI ist es deswegen besonders wichtig, Infos nicht einfach zu übernehmen, sondern zunächst kritisch zu hinterfragen. Gute Leitfragen können sein: Wer hat den Beitrag ursprünglich gepostet? Woher stammen die Infos, Fotos oder Videos? Ist die Quelle seriös? Haben andere vertrauenswürdige Medien darüber berichtet? Können diese Fragen nicht sicher beantwortet werden, sollte Ihr Kind lieber skeptisch bleiben. - DEMOKRATISCHE WERTE VERMITTELN
Demokratie lebt von Freiheit, Vielfalt, Toleranz und gegenseitigem Respekt. Zeigen Sie zu Hause, dass unterschiedliche Meinungen, andere Lebensentwürfe und Kompromisse normal sind und zu einer funktionierenden Demokratie dazugehören. Machen Sie aber auch deutlich, wo die Grenzen liegen: Diskriminierung und Ausgrenzung müssen nicht akzeptiert werden und schaden der Demokratie sogar. Verbreiten Accounts solche Inhalte, können sie blockiert oder gemeldet werden.