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Wann sind Kleinkinder groß genug für die Medienwelt?

Kinder kommen immer früher mit digitalen Medien in Berührung. Eltern fragen sich oft, ab welchem Alter Medienkonsum sinnvoll ist und welche Medieninhalte oder –geräte sich eignen. Wir empfehlen, Kinder gerade anfangs zu begleiten, Mediengeräte zu sichern und Angebote gut auszuwählen.

© DURIS Guillaume / Fotolia
© DURIS Guillaume / Fotolia

Zuletzt aktualisiert am 24.08.2017

Da Eltern und Geschwister Medien oft nutzen, wird auch das Interesse der Kleinsten schon früh geweckt. Zwar ist das Fernsehen nach wie vor Leitmedium bei Kleinkindern, Smartphones und Tablets spielen aber auch eine immer größere Rolle. Ausschlaggebend für den Medienumgang der Kleinsten ist, inwieweit sie Medien und ihre Inhalte überhaupt schon verstehen können.

Gerade Kleinkinder brauchen ganzheitliche Erfahrungen wie gemeinsame Spiele in der Familie, Entdeckungen in der Natur und Sport. Konfrontieren Eltern ihre Kinder zu früh mit elektronischen Medien, besteht die Gefahr, dass diese Erfahrungen zu kurz kommen und solche in der medialen Welt Kinder überfordern.

  • Für Kinder unter drei Jahren ist es wichtiger, erst einmal die reale Welt mit allen Sinnen zu erfahren, bevor sie elektronische Medien entdecken. Kinder unter drei Jahren sind z.B. mit der Bedienung von Tablet-PCs häufig noch überfordert.
  • Ab drei Jahren ist die Mediennutzung in steter Begleitung der Eltern und in überschaubarem Maß möglich, wenn das Kind auch Interesse daran zeigt. Dabei sind Tablets leichter und intuitiver selbst zu bedienen als Laptops oder Computer. Diese sind erst ab dem Vorschulalter geeignet.

Ein Überblick über medienbezogene Fähigkeiten im Altersverlauf

Die ersten Wochen

In den ersten Wochen werden Medien von Babys lediglich als Reizquelle, die Geräusche und Lichteffekte aussenden, wahrgenommen. Ein bewusstes Reagieren auf diese Eindrücke ist noch nicht möglich. Oft drücken Babys ihre Überforderung mit den Reizen, die von den digitalen Medien ausgehen, durch Schreien aus. Eltern sollten sensibel auf derartige Formen der Überforderung achten.

Das erste Vierteljahr

In diesem Alter sind Medien zwar weiterhin in erster Linie Reizquellen; Töne, Licht und Farben ziehen aber die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich. Sie können mittlerweile einzelne Formen und Farben grob unterscheiden. So können auf Bildern enge Familienangehörige oder Bezugspersonen  erkannt werden. Jedoch fehlt das Verständnis von Bildhaftigkeit um das Gesehene zu kontextualisieren. Eltern sollten darauf achten, ihr Kind in diesem Alter möglichst wenig medialen Reizen auszusetzen, da es vor allem damit beschäftigt ist, seine physische Umgebung zu erfahren.

Das zweite Vierteljahr

Im zweiten Viertel des ersten Lebensjahres werden Medien in erster Linie als Objekte wahrgenommen. Kinder in diesem Alter beobachten vor allem wie Andere mit den Medien umgehen und machen erste Nachahmungsversuche: Nach dem Mobiltelefon greifen oder Geräusche und Laute aus Hörbüchern nachmachen. Da die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder noch sehr gering ist, sollten Eltern darauf achten, ihr Kind nicht zu überfordern.

Das zweite halbe Jahr

Das Interesse für Medien wächst: sie werden als Spielzeug genutzt, jedoch eher zufällig und nicht zielgerichtet. So wird beim Spielen auf dem elterlichen Smartphone oder Tablet die Wischbewegung der Eltern nachgeahmt, statt zielgerichtet zu wischen. In diesem Alter haben Kinder noch kein Verständnis für die Bildhaftigkeit der Inhalte und versuchen zum Beispiel Gegenstände aus dem Bildschirm herauszuholen. Ein eigenständiger Umgang mit Medien ist noch nicht möglich, da grundlegende motorische Fertigkeiten und Verarbeitungsfähigkeiten noch fehlen. Kinder haben dennoch die Möglichkeit zu zeigen, ob sie sich mit Medien beschäftigen möchten oder nicht: Durch gezieltes Greifen danach oder wegschieben können sie Interesse signalisieren. Eltern sollten besonders darauf achten, wie das Kind mit ihnen über Medien als Gegenstände in Interaktion tritt und gemeinsame Aktivitäten, wie vorlesen oder Bilder betrachten, stärken. Weiterhin gilt, sensibel bei Überforderung zu reagieren.

1 Jahr alt

Mit etwa einem Jahr ist das Verständnis für die Bildhaftigkeit erreicht. Kinder verstehen, dass das Bild selbst ein Gegenstand ist und etwas zeigt. Sie können nun einfache Bildgeschichten mit Nähe zum kindlichen Alltag verstehen. Basale Bewegungsabläufe wie Wischen oder Touchgesten auf Tablets wendet das Kind an, weil es diese Bewegungen nun grundsätzlich beherrscht. Sie sind aber nicht als zielgerichtete Nutzung von mobilen Medien zu verstehen. Für Eltern und Erziehende ist es wichtig, die Aufmerksamkeit der Kinder bei sehr einfachen Bildergeschichten zu lenken, bei Bedarf zu erklären und immer wieder Bezüge zu den Erfahrungen des Kindes herzustellen.

2 Jahre alt

Mit dem steigenden Interesse an anderen Menschen, der Entwicklung der Phantasie und der Sprache verändert sich die Bedeutung von Medien für Kinder in diesem Alter. Sie wenden sich nun zunehmend bewusst und zielgerichtet medialen Inhalten und Geräten zu. Außerdem zeigen sie sich interessiert an spielerischen und kreativen Aktivitäten wie zum Beispiel dem Fotografieren. In diesem Alter machen Kinder meist ihre ersten Fernseherfahrungen (mehr dazu im Positionspapier „Fernsehstart“), denn auch die Entschlüsselung einfacher medialer Botschaften wird möglich. Einfache digitale Spiele werden verstanden und auch die Wiedergabefunktion für Fotos oder Videos auf mobilen Medien wird entdeckt. Die Aufmerksamkeit der Kinder hält nur für kurze und einfache Sequenzen. Eltern sind nun gefordert, die aktive Auseinandersetzung mit Medien aktiv zu begleiten und zu fördern sowie ihre Kinder zu vielfältigen Ausdrucksweisen anzuregen. Dabei unterstützen Wiederholungen das Verständnis für Inhalte und Abläufe.

3 bis 4 Jahre alt

Mit fortschreitendem Alter wächst die Fähigkeit der Kinder Symbolsysteme medialer Inhalte zu entschlüsseln. Voraussetzung dafür bleibt weiterhin eine einfache Erzählstruktur und der Bezug zur Lebenswelt der Kinder. Kinder können in Videos oder Filmen Ausschnitte und Figuren wahrnehmen und in Bezug zum eigenen Ich setzen. Tipp- und Wischbewegungen auf dem elterlichen Tablet oder Smartphone werden gezielt eingesetzt. Neben der Rezeption gewinnen Medien als Mittel für gestalterisch-produktives Handeln an Bedeutung. Die erworbenen Fähigkeiten im Umgang mit Medien können mit und über Medien erweitert werden. Eltern sind gefordert durch geduldige Begleitung die Fragen der Kinder zu beantworten und durch Erklärungen das Verständnis zu unterstützen. Auch hier helfen Wiederholungen um das Verständnis von Inhalten und Abläufen zu festigen.

5 bis 6 Jahre alt

Medien dienen Kindern in diesem Alter als Wissensquelle, zur Orientierung, Unterhaltung und als Spielgeräte. Erste, kindgerechte Online-Angebote gewinnen an Bedeutung. Sie nehmen das Internet als Speicher für Filme, Spiele und Musik wahr, verstehen aber die Struktur des Internets noch nicht. Kinder verstehen nun einfache Lern- und Geschicklichkeitsspiele mit zweidimensionaler Grafik. Bei audiovisuellen Geschichten konzentrieren sie sich auf zentrale Personen und vollziehen auch zunehmend deren Gefühle nach. Da die Lese- und Schreibfähigkeiten noch nicht entwickelt sind, brauchen die Kinder die Unterstützung von Eltern und Erziehenden. Eltern sind weiterhin gefordert, ihre Kinder beim Medienumgang und den ersten Internet Erfahrungen aktiv zu begleiten.

Tipps zum Medienumgang mit Kleinkindern

Gerade bei den allerersten Schritten in der Medienwelt sind die aktive und aufmerksame Begleitung der Eltern gefragt, die auf geeignete Inhalte und ein überschaubares Maß achten sollten.

  • Kinder immer begleiten: Wichtig ist, dass Eltern ihr Kind bei den ersten Erfahrungen im Umgang mit Medien stets begleiten und mit ihm über das Erlebte sprechen, denn Kinder im Kindergartenalter lernen erst noch Symbolsysteme zu entschlüsseln und zu verstehen. Nur so erfahren Eltern, welche Inhalte das Kind überfordern. Kleinkindern fällt es noch sehr schwer, zwischen Realität und Vorstellung zu trennen.
  • Geräte gut sichern: Sicherheitseinstellungen an Mediengeräten aktivieren (z.B. Passwortschutz für hinterlegte Zahlungsinformationen) und Jugendschutzprogramme installieren. Die Internetverbindung und weitere Datenverbindungen immer deaktivieren, wenn diese nicht gebraucht werden.
  • Altersangaben beachten: Eine erste Orientierung bieten die Altersfreigaben für Filme, Games und Apps, etwa auf den Verpackungen von DVDs und Videospielen oder in den App-Stores. Für Kleinkinder kommen dabei höchsten Medien „ab 0 Jahren“ in Betracht. Da die Altersfreigabe jedoch nichts darüber aussagt, ob das Angebot tatsächlich für das eigene Kind geeignet ist, sondern nur Entwicklungsbeeinträchtigungen ausschließt, sollten Eltern sich auch bei Empfehlungsportalen informieren, die Angebote auch selbst testen und erst danach gemeinsam mit dem Kind nutzen. Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass viele qualitativ hochwertige Kinder-Apps nicht kostenlos zu haben sind.
  • Berechtigungen prüfen: Vor der Installation einer App immer genau die Berechtigungen prüfen, die diese App verlangt. Sind es zu viele bzw. sind diese nicht plausibel (z.B. Zugriff auf Kalender in Spiele-App), dann besser nicht installieren.
  • Inhalte genau prüfen: Gute Angebote sind optisch ansprechend gestaltet, knüpfen direkt an die Lebenswelt der Kinder an und ermöglichen es, eigene Erlebnisse darauf zu beziehen, etwa eine Tier-App mit dem Besuch des Streichelzoos. Gute Apps und Webseiten für Kleinkinder enthalten wenig Text, machen Spaß, vermitteln spielerisch Wissen, sind werbefrei, enthalten keine ungeeigneten Verlinkungen, z.B. zu Sozialen Netzwerken, anderen Erwachsenenseiten oder Shops und sind aktuell. Sie sind intuitiv zu bedienen und selbsterklärend. Um einer Handlung folgen zu können, brauchen Kleinkinder ein langsames Tempo und einfache Geschichten mit gradliniger Handlung. Weil sie sich nur kurze Zeit konzentrieren können, muss der zeitliche Umfang von einzelnen Hörstücken, Filmen oder Spielen auf das Alter abgestimmt sein - je kürzer, desto besser. Geschichten sollten nicht ängstigend sein und immer ein gutes Ende haben. Empfehlungsportale helfen bei der Auswahl.
  • Kleinkinder lieben Wiederholungen: Auch einfache altersgemäße Geschichten verstehen Kleinkinder oft nicht komplett und auf Anhieb. Unter anderem deshalb gefällt es ihnen sehr, sich mehrfach mit demselben Spiel oder derselben Geschichte zu beschäftigen.
  • Zeiten begrenzen: Gerade Kleinkinder brauchen enge Zeitfenster, da Medien sie auf Dauer überreizen. Bei Kindern bis fünf Jahren sind maximal eine halbe Stunde Mediennutzung genug und das auch nicht täglich. Weil Kinder in diesem Alter noch keine ausgeprägte Zeitvorstellung haben, ist es sinnvoll die Zeit an konkreten Ereignissen festzumachen (z.B. „Wir können jetzt diese eine Sendung anschauen.“ Oder „Wir können damit spielen bis es Abendessen gibt.“) Achten Sie auf Anzeichen nachlassender Konzentration: Wirkt das Kind sehr angestrengt oder abgelenkt, ist dies ein Signal, den Umgang mit dem Medium zu beenden.
  • Medien sind kein Erziehungsmittel: Mediennutzung nicht als Belohnung bzw. Medienverbote nicht als Bestrafung einsetzen, wenn der Anlass nicht im Zusammenhang mit Medien steht. Das wertet die Mediennutzung nur zusätzlich auf.
  • Download nur durch Eltern: Das Herunterladen von Apps ist immer Aufgabe der Eltern.
  • Vorsicht bei In-App-Käufen: Vor der Installation auf diesen Hinweis achten und gegebenenfalls nicht installieren. In den App-Stores von Google und Apple muss mittlerweile angegeben werden, ob In-App-Käufe möglich sind. Diese können vollständig deaktiviert (iOS) oder zumindest mit einem Passwort geschützt (Android) werden.  
  • Vorbild sein: Kinder orientieren sich stark an ihren Eltern, auch bei der Mediennutzung. Deshalb ist ein bewusster Umgang auch für sie zu empfehlen, um ihrem Kind als Vorbild zu dienen. Oft ist einem nicht bewusst, wie oft man z.B. das Smartphone oder den Fernseher nutzt.
  • Abwechslung bieten: Die digitale Welt kann das Spielen im Garten und auf dem Spielplatz, Treffen mit Freunden oder das gemeinsame (Vor-)Lesen nicht ersetzen.


Daten und Studien zum Medienumgang in der Familie

Verfügbarkeit: Laut miniKIM-Studie 2014 verfügen fast alle Haushalte, in denen Zwei- bis Fünfjährige leben, mindestens über einen Fernseher, ein Handy bzw. Smartphone, einen Computer bzw. Laptop, gut neun von zehn Haushalten verfügen über einen Internetzugang oder ein Radio, in gut vier Fünftel der Haushalte gibt es einen CD-Player oder DVD-Player und zwei von fünf Familien besitzen eine Spielkonsole, ein Fünftel einen Tablet-PC. Die Kinder selbst besitzen selten eigene Mediengeräte, am häufigsten finden sich Kassettenrekorder oder CD-Player, knapp ein Viertel der Kinder zwischen zwei und fünf Jahren verfügt über ein solches Gerät.

Bücher: Laut miniKIM-Studie 2014 wird der Alltag der Zwei- bis Fünfjährigen vom Spielen bestimmt. Sie beschäftigen sich oft mit Büchern (anschauen/vorlesen: 87%), im Schnitt 26 Minuten am Tag. Dabei ist das Buch das Medium, das bei der gemeinsamen Nutzung mit den Eltern die größte Rolle spielt. Die Lieblingsbücher der Kinder beinhalten hauptsächlich Tier- oder Bauernhofgeschichten.

TV: Die Ergebnisse der miniKIM-Studie 2014 zeigen, dass Fernsehen mit 79% ähnlich beliebt ist wie die Beschäftigung mit Büchern. Nach Angaben der Haupterzieher sehen die Kinder durchschnittlich 43 Minuten pro Tag fern (2-3 Jahre: 34 Min., 4-5 Jahre: 52 Min.), ihre ersten Fernseherfahrungen haben sie im Schnitt mit 2 Jahren gemacht. Der „KiKA“ ist der beliebteste Fernsehsender der Kinder. Bei den liebsten TV-Sendungen ist „Unser Sandmännchen“ bei den Zwei-bis Dreijährigen auf dem ersten Platz. Die älteren Kinder favorisieren eine größere Bandbreite an verschiedenen Sendungen.

Digitale Medien:

Nutzung des Internets: Während 89 Prozent der Dreijährigen noch nie das Internet genutzt haben, nutzt jeder vierte Siebenjährige das Internet zumindest mehrmals pro Woche. Durch das Erlernen von Lesen und Schreiben im Grundschulalter werden das Internet und entsprechende Online-Angebote immer interessanter für die Kinder. In jedem Fall benötigen sie die aktive Begleitung durch Eltern und Erziehende. Gesurft werden sollte auf speziellen Kinderseiten, die einen geschützten Raum bieten können. (DIVSI U9-Studie)

Apps und mobile Medien: Laut der Erhebung „Kinder am Tablet - Beobachtungen zur Medienaneignung zwei‐ bis sechsjähriger Kinder“ des Deutschen Jugendinstituts (DJI) (2016) haben 11 Prozent der Einjährigen, 26 Prozent der Zweijährigen, 31 Prozent der Dreijährigen und 37 Prozent der 4-Jährigen Erfahrung mit Apps. Laut einer weiteren Befragung des DJI (2015) von Müttern und Vätern mit 1- bis 15-jährigen Kindern. Die Internetnutzung bei Kleinkindern von 2 Prozent (Einjährige), über 9 (Zweijährige), 11 (Dreijährige), 16 (Vierjährige) auf ein knappes Viertel (24 Prozent) bei den Fünfjährigen. Als Hauptproblem im Internet sehen Eltern von Klein- und Vorschulkindern Werbung mit 22 Prozent.
Laut der Erhebung „Mobile Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen“ des Hans-Bredow-Instituts (2015) nutzen Kinder bereits ab einem Alter von 2 Jahren die Tablets oder Smartphones ihrer Eltern. Die Art der Nutzung hängt dabei oft von den Vorerfahrungen und der Begleitung durch die Eltern ab. Nach Aussagen der Eltern nutzen die Kinder eher das Tablet als das Smartphone der Eltern, unter anderem auch wegen der leichteren Handhabbarkeit durch den größeren Bildschirm. Viele Kinder haben aber schon vor der Anschaffung des Tablets Erfahrungen mit dem Smartphone gesammelt. In den Kitas werden diese Geräte nicht eingesetzt. Während  fast  alle Vorschulkinder vor  der  Nutzung  mobiler  Geräte  ihre  Eltern  um  Erlaubnis  bzw. Freischaltung fragen  müssen,  variieren die  erlaubte  Nutzungshäufigkeit und –dauer stark – von einer halben Stunde pro Woche bis zu einer Stunde täglich. Die Kinder nutzen vor allem die Foto- und Videofunktion der Geräte sowie eher einfache Spieleapplikationen wie Puzzles und Zuordnungsspielen, bis hin zu komplexeren Spielen bei älteren Vorschulkindern. Wie Vorschulkinder mobile Geräte nutzen, hängt weniger von ihrem Alter, sondern viel mehr von ihren Vorerfahrungen und der Begleitung durch ihre Eltern ab. Knapp neun von zehn Haupterziehern meinen laut miniKIM 2014, das Internet sei für Kinder gefährlich. Drei Viertel meinen, Kinder sollten nur mit Filterprogramm online gehen. Nur 13 Prozent der Eltern würden ihrem Kind erlauben, das Internet ohne Aufsicht zu nutzen.

Kompetenz: Beim Thema Kompetenzvermittlung sehen die Eltern laut miniKIM 2014 sich selbst und später die Schule in der Pflicht. Das Thema „Kinder und Medien“ liegt unter 24 vorgegebenen Themenfeldern auf einem mittleren Rang der Interessensgebiete der Haupterzieher. Ihren persönlichen Wissensstand bewerten knapp drei Viertel der Haupterzieher als sehr gut oder gut. Trotz subjektiv hohem Kenntnisstand würden zehn Prozent der Eltern sehr gerne und 55 Prozent gerne weitere Informationen zu diesem Thema erhalten. Bei der Information ist für zwei Drittel der Austausch mit anderen Eltern wichtig, die Erzieher im Kindergarten oder in der Krippe sind für 43 Prozent relevante Ansprechpartner.
Laut DJI (2015) wünschen sich Eltern von Klein- und Vorschulkindern in Bezug auf das Internet mehrheitlich Informationen über Risiken, Kinderschutzeinstellungen, Schutzsoftware, kindgerechte Internetseiten und Apps sowie über die altersgerechte Internetnutzung. Die Verantwortung für den Jugendmedienschutz sehen sie vor allem bei sich (81%) und bei den Anbietern (48%).

Nutzung der Eltern: Laut miniKIM 2014 nutzen praktisch alle Haupterzieher das Internet zumindest selten zuhause oder am Arbeitsplatz. Drei von fünf Internetnutzern sind bei einer Community wie Facebook angemeldet. Auf dem eigenen Profil in der Community haben dann 41 Prozent Informationen über ihr Kind eingestellt – meist Fotos des Kindes, aber auch Informationen über Erlebnisse sowie Videos, in denen das Kind zu sehen ist. Eingestellte Informationen über das Kind sind bei 83 Prozent nur für die Kontaktliste und nicht für alle Community-Nutzer sichtbar.

Studien und Literatur

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest: miniKIM 2014

BMFSFJ-Broschüre "Ein Netz für Kinder. Surfen ohne Risiko?", 2013

Aufenanger, Stefan: Digitale Medien im Leben von Kindern zwischen null und fünf Jahren. In: merz Frühe Medienerziehung digital 2013/02.

Theunert, Helga / Demmler, Kathrin: "(Interaktive) Medien im Leben Null- bis Sechsjähriger – Realitäten und Handlungsnotwendigkeiten". In: Herzig, Bardo/Grafe, Silke: Digitale Medien in der Schule. Standortbestimmung und Handlungsempfehlungen für die Zukunft. Studie zur Nutzung digitaler Medien in allgemeinbildendenden Schulen in Deutschland

Stiftung Medienpädagogik Bayern: Vorschulkinder und ihre Medien, 2013

Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen: „MIT MEDIEN LEBEN LERNEN - Tipps für Eltern von Kindergartenkindern“ (deutsch, türkisch, russisch), Autorinnen Renate Röllecke, Anja Pielsticker, Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur e.V. (GMK)

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