Lernen mit Medien

Internet, Fernsehen, Apps und Games sind in unserem multimedialen Alltag ein ständiger Begleiter. Meist dienen sie dem freizeitlichen Zeitvertreib, doch die Medien können mehr: Sie helfen beim lernen, verbessern mitunter die Denkleistung und einige Games machen uns sogar kreativer.

© fotolia/contrastwerkstatt
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Veröffentlicht am 10.08.2015

Was sind Lernmedien?

Mit fast allen Medienangebote kann man etwas erlernen, wenn auch nicht immer bewusst: soziale Rollen, Handlungsorientierungen und Weltbilder finden sich in vielen TV-Serien, Games oder sozialen Medien. Aber auch Games, vor allem aus dem Strategie-Bereich, können nachhaltig zu einem kreativeren und offeneren Denkprozess anregen und so den Lernerfolg steigern. Zudem erlernt man durch die Nutzung mit digitalen Medien einen geübten Umgang damit. Unter Lernmedien versteht man im engeren Sinne Angebote, die bewusst auf Wissensvermittlung abzielen, wie Wissenssendungen á la Die Sendung mit der Maus, Vokabeltrainer auf dem PC und als App oder ein Geografie-Quiz im Internet.

Wie häufig werden Lernmedien genutzt?

Für Kinder und Jugendliche der Generation "Digital Natives" ist die Nutzung digitaler Medien selbstverständlich und stellt im Lernprozess keine prinzipielle Hürde da. Sie ziehen Medien gern heran, um sich die Welt zu erschließen und gezielt nach Informationen zu suchen.

Laut KIM-Studie 2014 verwenden praktisch alle Sechs- bis 13-Jährigen, die einen Computer oder Laptop nutzen, diesen auch für die Schule. Zuhause für die Schule im Internet zu arbeiten gehört für 44 % der Jüngsten zum Alltag – bei den Ältesten steigt dieser Anteil auf 91 % an. Mindestens wöchentlich recherchieren sie im Internet, schreiben zu Hause Texte für die Schule am Computer, nutzen ein Lernprogramm oder erstellen zuhause eine Präsentation für die Schule.

Der Einsatz von digitalen Medien im schulischen Kontext findet dagegen noch sehr punktuell und weniger fachübergreifend statt. Nur 30 % der Kinder von sechs bis 13 Jahren nutzen in der Schule direkt zumindest selten einen Computer oder Laptop. 90 % der Lehrer finden nach der ICILS-Studie, dass digitale Medien im Unterricht einen Zugang zu besseren Informationsquellen ermöglichen, fast zwei Drittel, dass dies die Schüler dabei unterstützt, Informationen wirksamer zu vertiefen und zu verarbeiten. Befragt nach Bedenken, nennen drei Viertel das Kopieren von Quellen, ein Drittel organisatorische Probleme und über ein Viertel, dass Schüler vom Lernen abgelenkt werden.

Je aktiver der Lernende Inhalte nutzt, desto nachhaltiger der Lernerfolg.

Was sind die Vorteile durch Lernen mit Medien?

Dass der klassische Frontalunterricht kaum nachhaltig Wissen vermitteln kann, ist schon lange bekannt. Im Gegensatz dazu sind in Apps und Programmen die Inhalte, die erlernt werden sollen, multimedial aufbereitet und werden interaktiv vermittelt. Bei Apps und Co. gilt: Je aktiver der Lernende Inhalte nutzt, desto nachhaltiger der Lernerfolg. Ein weiterer Vorteil besteht darin, durch einen proaktiven Einbezug der Medien, den Gefahren, die sie in sich bergen, wie Cybermobbing oder Cybergrooming vorzubeugen, durch Aufklärung im Unterricht.

Fernsehen

Die Vorurteile gegenüber dem TV sind zunehmend negativ: Zu viel Fernsehen ist nicht gut, macht viereckige Augen und lässt abstumpfen. Lange Zeit waren auch Forschende der Ansicht, dass Fernsehen der Bildung eines Kindes schaden würde. Langzeitstudien zeigen jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen TV-Konsum und Schulleistungen. Und auch wenn sich die Wissenschaft bis heute uneins ist, ob stark unterhaltende Elemente die Lernleistung tatsächlich fördern, so unterstützt der Großteil der Studien einen positiven Einfluss von Lernmedien.

So erweitern kindgerechte TV-Programme den Wortschatz und helfen beim Erst- und Zweitspracherwerb. Ähnliches gilt zum Beispiel für die Sesamstraße: Eine US-amerikanische Langzeitstudie konstatiert positive Auswirkungen auf Vorstellungsvermögen und kreatives Engagement bis ins Jugendalter. Wissenssendungen für die junge Zielgruppe und stellen ergänzende Angebote im Internet zur Verfügung. So können sich Kinder tiefer und aktiver mit dem Gesehenen und Gelernten auseinandersetzen und den Lerneffekt verstärken.

Geeignete Wissenssendungen für Vorschulkinder sind etwa „Kikaninchen“, „Die Sendung mit der Maus“ und „Sesamstraße“, solche für Grundschulkinder etwa „Löwenzahn“, „Willi wills wissen“, „Wissen macht Ah“, „Erde an Zukunft“, „Checker Tobi“, „Pur+“, „GEOlino TV“, „Go Wild!“, “WOW – Die Entdeckerzone“ und die Formate „Wenn ich groß bin, werde ich…“, „Dann lass mal sehen“ oder „Timster“, wo Medien kindgerecht erklärt werden.

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Games

Auch Games hatten lange Zeit nicht den besten Ruf. Bis heute dauert die Diskussion um Gewalt- und Suchtpotenziale an. Auch wenn die Sorgen nicht ganz unbegründet sind, muss man jedoch zwischen den Spielen stärker differenzieren. Viele Games vermitteln Lerninhalte – schließlich besteht bereits evolutionär ein Zusammenhang zwischen Spielen und Lernen.

Spielgenres wie Serious Games verbinden aktiv unterhaltendes Spielen mit Erkenntnisgewinn: Diese Computerspiele und Apps bringen etwa Ursachen und Symptome von Erkrankungen spielerisch näher und können bei betroffenen Kindern und ihrem Umfeld das therapeutische Selbstmanagement verbessern, damit Therapiepläne eingehalten werden (z.B. Re-Mission, Patchie). Andere Serious Games verdeutlichen politische (z.B. Genius –Im Zentrum der Macht) oder ökologische Prozesse (z.B. Ecopolicie). Open-World-Spiele wie Minecraft schulen gleich mehrere Bereiche, von Kreativität bis hin zur Strategie stellt das Game eine Lernhilfe dar und wird daher seit 2013 in Schweden an Schulen als Unterrichtsfach angeboten.

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Internet

Das Internet bietet eine Fülle an Datenbanken, Videos, Grafiken und Texten mit denen sich Kinder informieren können. Insbesondere für aktuelles Geschehen lässt sich Wissenswertes für Kinder herausziehen, wie z.B. auf logo.de. Webseiten eignen sich auch für den Einsatz im Unterricht und haben den Vorteil, dass sie in der Regel von Redaktionen regelmäßig aktualisiert werden. Hinzu kommt eine Vielzahl an interaktiven Wissensportalen, die Informationen mit kleinen Spielen und Aufgaben spannend aufbereiten, den Entdeckergeist der Kinder wecken, direktes Feedback bei erfolgreicher Aufgabenbewältigung geben und so die Motivation steigern.

Wissensseiten für Kinder

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Suchmaschinen für Kinder

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Soziale Netzwerke

Auch Videoplattformen wie Youtube können vor allem durch moderierte Lern-Tutorials Wissen sympathisch vermitteln. Zudem ist zu beachten, dass Youtube eher für Jugendliche ab 13 Jahren geeignet ist. Für Kinder eignen sich die Videoportale juki.de und clixmix.de. Um bei der großen Angebot das Passende zu finden, helfen etwa die Kriterien von medienpädagogik-praxis.de, darunter eine klare Beschreibung im Titel, ein logischer Aufbau, eine ausreichende Bild- und Sprachqualität, verständliche Erklärungen, keine unnötige Ablenkung, passende Visualisierungen, Präsentatoren, die sich nicht zu sehr in den Mittelpunkt spielen und natürlich zur Alters- und Schulstufe passende, korrekte Inhalte.

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Was macht gute Lernmedien aus?

Unabhängig vom Inhalt der jeweiligen App oder des Programms, ob es nun um Biologie oder Spanisch geht, gibt es Kernpunkte, an denen erkennbar wird, ob das Lernmedium gut geeignet ist. Eine übersichtliche, ansprechende Gestaltung erleichtert den Zugang; ebenso eine intuitive, logische und konsistente Bedienung. Außerdem kann man sich an folgenden Kritierien orientieren:

  1. Interaktion: Bei der Wissensvermittlung ist es wichtig, den Entdeckergeist der Kinder zu wecken und so die Lust am Lernen. Erfolge wie Misserfolge sollten daher zurück gemeldet werden, um den Kindern eine Orientierung zu geben. Eine gute Sorftware bezieht das Kind daher direkt ein, geht individuell auf Wissenslücken ein, wiederholt Erlerntes und ruft es auf, selbstständig zu kombinieren und sich weiter zu informieren.

  2. Motivation: Um Kinder zu motivieren hilft es oft, wenn Lernmedien eine Hilfefunktion anbieten. So geben Kinder trotz Misserfolgen nicht so schnell auf. Wählen Sie Angebote gemeinsam mit ihrem Kind aus, wird es bei der Entscheidung für eine Lernapp oder Plattform mit einbezogen ist es gleich viel motivierter.

  3. Spezifikation: Sie wissen, wie unterschiedlich die Interessen Ihres Kindes sind und wie schnell sich diese ändern. Wählen Sie also Lernmedien, die Ihr Kind fordern, ohne es zu unter- oder überfordern. Umfang und Inhalt des Lernstoffs sollten zu Alter, Schulstufe, Schulform und Vorwissen passen, an die Lebenswelt von Kindern anknüpfen sowie altersgerecht erklärt sein.

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Tipps

Empfehlungen nutzen

Nicht alle Lernmedien sind speziell für Kinder gemacht. Eltern achten deshalb auf die Altersempfehlungen. Weiter geben eine Reihe von Siegeln und Auszeichnungen Hinweise für gute Lernmedien (siehe Links unten). Preise für Bildungsmedien wie digita, Giga Maus, TOMMI oder Comenius EduMedia, aber auch pädagogische Portale helfen bei der Orientierung. Kinderspezifische Angebote wie das Klexikon im Internet sind allgemeinen Portalen vorzuziehen.

Passende Angebote auswählen

Es ist wichtig, Lernmedien auszuwählen, die das Kind fordern, ohne es zu unter- oder überfordern. Eltern wissen, wie unterschiedlich die Interessen ihrer Kinder sind und wie schnell sich diese ändern. Die Lernmedien sollten idealerweise dazu passen, wofür sich das Kind auch offline interessiert: Kommt es begeistert aus dem Historischen Museum zurück, findet sich möglicherweise eine App oder Website, die das Interesse direkt aufgreift. Bei der Auswahl ist das Kind einzubeziehen, so ist es motivierter.

Quellen prüfen

Wichtig ist auch darauf zu achten, welche sozialen Rollen, Weltbilder oder kommerzielle Interessen die Medien transportieren. Sind es nur männliche Akteure, die sich für die Wissenschaft interessieren? Werden Fakten politisch verzerrt dargestellt? Platzieren große Konzerne Werbebotschaften oder ein bestimmtes Unternehmensbild? Eltern sollten daher Absender und Produzenten der Lernmedien genau prüfen, um objektive Inhalte zu gewährleisten. Aber auch die Kinder sollten dazu angeregt werden, kritisch zu hinterfragen, von wem z.B. Informationen im Netz stammen und ob diese immer richtig sind.

Kinder begleiten

Indem Eltern das Kind bei der Benutzung des Lernmediums begleiten, können sie beim Einstieg helfen, aufkommende Fragen beantworten, Zusammenhänge zur Lebenswelt des Kindes und zu seinem Lernhorizont herstellen und dabei prüfen, ob das Angebot wirklich geeignet ist. Fühlt das Kind sich überfordert oder gelangweilt, sind Alternativen in Betracht zu ziehen.

Lehrer ansprechen

Mittlerweile gibt es zu Lehrbüchern auch anknüpfende Medien wie Hörspiele, Websites und weiteres. Eltern können die Lehrer der Kinder darauf ansprechen, ob sie bereits Erfahrungen mit den Medien gemacht haben und ob sie weitere Angebote empfehlen können.

Medien als gute Ergänzung nutzen

Nutzen Kinder Medien für die Schule ist zu empfehlen, dass Eltern dies nicht auf die vereinbarte Medienzeit für Freizeit und Unterhaltung anrechnen. Eine klare Linie zu ziehen ist hier jedoch nicht leicht. Wichtig ist auch, dass Kinder sich bei der Mediennutzung zum Lernen nur darauf konzentrieren und nicht noch andere Medien parallel nutzen. Generell ist bei Grundschulkindern eine Stunde am Stück genug. Das digitale Lernen ist immer nur als Ergänzung und nicht als Ersatz klassischer Bildungsangebote zu verstehen und sollte andere Freizeitbeschäftigungen wie das Spielen an der frischen Luft nicht verdrängen. Schließlich wollen Schulkinder Tiere oder Pflanzen nicht nur am Monitor kennenlernen, sondern auch bei einem Waldspaziergang oder einem Zoobesuch direkt erleben.

Medien kreativ einsetzen

Eltern können ihre Kinder animieren, Medien kreativ einzusetzen, um sich Themen mit Lerneffekt zu nähern: Auf Familienausflügen kann man z. B. gemeinsam einen Fotospaziergang durch den Wald machen, um im Anschluss Wissenswertes über gesehene Pflanzen und Tiere herauszufinden oder im Zoo ein Audioprotokoll von Tierstimmen zu erstellen, um später ein Ratespiel daraus zu machen. Man kann auch selbst Video-Tutorials oder ein Blog zu zu Themen erstellen, mit denen sich Kinder beschöftigen (z. B. Verkehrsregeln beim Fahrradfahren, Fußballtricks... ).